Ukraine

Partnerorganisationen: Youth Symphony Orchestra of Ukraine, terre des hommes

2026

Stipendien für Mitglieder des Youth Symphony Orchestra of Ukraine

Seit 2018 hat die in Marburg ansässige Stiftung Hoffnung13 sechzehn Großprojekte im Irak, Palästina, Bethlehem, Sierra Leone, Nicaragua, Kolumbien finanziell gefördert und ermöglicht. Damit wurde Kindern und Jugendlichen in und aus Krisen- und Kriegsgebieten Angebote mit Musik, Tanz, Theater und Kunst unter fachlicher Anleitung als Wege zur Bewältigung von Traumata verfügbar gemacht.

Youth Symphony Orchestra of Ukraine (Foto: © YSOU)

Youth Symphony Orchestra of Ukraine (Foto: © YSOU)

Darunter sind auch Kinder aus der Ukraine, für die die Stiftung zwei besondere Förderprogramme bewilligte – nachdem mit ihrer Hilfe bereits seit einigen Jahren ukrainische Kinder an der Marburger Musikschule unterrichtet werden.

Neu sind jährliche Stipendien, die Hoffnung13 seit Januar 2026 an Mitglieder des Jugend Sinfonie Orchesters Ukraine vergibt. Das Youth Symphony Orchestra of Ukraine wurde 2016 von der Dirigentin Oksana Lyniv nach dem Vorbild des deutschen Bundesjugendorchesters gegründet, über das auch der Kontakt zu Hoffnung13 hergestellt wurde.

Die im ersten Jahr geförderten fünf Musikerinnen und Musiker im Alter zwischen 16- und 21 Jahren wollen trotz traumatischer Erfahrungen ihre Ausbildung fortsetzen – obwohl es derzeit im durch Bomben zerstörten Land wenig Spielgelegenheit gibt und Orchester wie das in Mariupol geschlossen wurden, das Musikstudium oft unterbrochen werden musste und die Familien über wenig Mittel verfügten, nachdem auch Väter und Brüder im Krieg gefallen seien oder verwundet zurückkämen und ihren Job inzwischen verloren hatten.

Der Posaunist Mykhailo: „Ich wünsche mir aufrichtig, dass ukrainische Kultur und Musik weiter wachsen, damit junge Musiker das Gefühl haben, in ihrem eigenen Land gebraucht zu werden, und nicht gezwungen werden, im Ausland nach Chancen zu suchen. Ich studiere und arbeite weiter, weil ich glaube, dass Musik eine Kraft ist, die Menschen selbst in den dunkelsten Zeiten unterstützen kann“.

Die Erzählungen der jungen ukrainischen Musiker zeichnen ein Bild von Resilienz und künstlerischer Hingabe inmitten des Krieges. Obwohl sie aus unterschiedlichen Regionen stammen und verschiedene Instrumente spielen, teilen sie tiefgreifende traumatische Erfahrungen und den festen Entschluss, ihre musikalische Ausbildung fortzusetzen.

Sie berichten von extremen persönlichen Härten, die durch die russische Invasion verursacht wurden: Eine Violonistin erlebte einen Raketeneinschlag in ihr Wohnhaus und musste monatelang in Ruinen ohne Heizung oder Wasser leben. Kateryna S. (18) lebte sechs Monate unter Besatzung in Cherson. Der junge Posaunist Mykhailo H. (21) verlor seinen Bruder im Krieg; sein Vater ist als Soldat in medizinischer Behandlung und erhält kaum finanzielle Unterstützung. Veronika O.s (19) Vater dient ebenfalls an der Front. Alina N. (15) lebt nahe einer Raketenfabrik unter ständigem Beschuss und wurde zudem von ihrem Vater mit Schulden zurückgelassen. Fast alle Musiker berichten, dass sie die einzigen Versorger ihrer Familien sind oder ihre Eltern arbeitslos bzw. geringverdienend sind.

(Foto: © YSOU)

(Foto: © YSOU)

Trotz der widrigen Umstände verfolgen sie ihre Ausbildung an verschiedenen Akademien (z. B. in Kiew, Odessa, Dnipro und Lwiw), aber sie haben viele Probleme: Erofey musste die Institution wechseln, da ihre ursprüngliche Akademie (die bereits aus Donezk vertrieben worden war) die Akkreditierung verlor und Dokumente verloren gingen. Mykhailo besitzt kein eigenes Instrument, was die Vorbereitung auf den Unterricht erschwert. Yelyzaveta träumt ebenfalls von einer neuen Violine für internationale Wettbewerbe.

Viele spielen bereits in Orchestern, wie dem Youth Symphony Orchestra of Ukraine (YSOU) unter Oksana Lyniv, oder arbeiten neben dem Studium in Orchestern, um zu überleben. Da viele Musiker und Musikerinnen bisher im Krieg umkamen oder ins Ausland gegangen sind werden sie nach dem Krieg gute berufliche Chancen haben.

In der Kunst sehen Die Musiker eine Kraft, die Hoffnung spendet: Veronika möchte die ukrainische Kultur auf internationalen Bühnen vertreten, um zu zeigen, dass die Kunst auch im Krieg weiterlebt. „Ich möchte die Menschen mit meinem Geigenspiel begeistern und mit ihm der Welt das Schicksal meiner Heimat erzählen.“ Kateryna entdeckte erst durch die Flucht den Kontrabass als ihre wahre Berufung. Cellistin Alina strebt danach, eine erstklassige Cellistin zu werden, deren Spiel Menschen inspiriert. Yelyzaveta hat sich zum Ziel gesetzt, die klassische Musik in ihrem Land und darüber hinaus zu bewahren.

Das erhoffte Stipendium dient primär dazu, die finanzielle Last zu mindern, damit mehr Zeit für das Üben und die künstlerische Entwicklung bleibt. Grundbedürfnisse der Familien zu decken und Bildungschancen (wie Auslandsstudien oder Meisterklassen) wahrzunehmen. Diese jungen Menschen sind wie Pflanzen, die versuchen, durch den Asphalt eines Schlachtfeldes zum Licht zu wachsen. Allen Umstanden zum Trotz versuchen sie, mit der Schönheit der Musik sowohl ihre Familien als auch ihre nationale Identität zu stützen.

Traumahilfe in Zusammenarbeit mit terre des hommes

Eines großes Projekt startete schon 2025 und will mit Bewegung, Spiel und Kunst Stressabbau und Traumahilfe für kriegsbetroffene Kinder, Jugendliche und Bezugspersonen in Charkiw, Cherson, Saporischschja, Dnipropetrowsk und Transkarpatien bewirken. Dieses Projekt der Humanitären Hilfe von terre des hommes in der Ukraine zielt darauf ab, Kindern, Jugendlichen, Betreuern, Freiwilligen und Fachkräften, die mit Kindern arbeiten, traumainformierte Unterstützung zu bieten. Das Projekt erreicht 650 Kinder im Alter von fünf bis zwölf Jahren, 310 Jugendliche im Alter von 13-17 Jahren, 50 junge Erwachsene im Alter von 18-25 Jahren, ihre Familien und Betreuungspersonen sowie Fachkräfte.

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