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Katharina Natalie Eitel: sehen • innehalten • werden (Ausstellungsplakat)Erstmals werden in einer umfangreichen Retrospektive große Teile des Gesamtwerks der Marburger Künstlerin Katharina N. Eitel gezeigt, die vor zehn Jahren im Alter von 70 Jahren einer Krebserkrankung erlegen ist. In mehreren Sälen zeigt das Kunstmuseum Marburg einen Überblick über das vielfältige Schaffen mit weit mehr als einhundert Exponaten.

Die ausgestellten Werke stehen nach der Ausstellung zum Verkauf, die Erlöse kommen vollständig dem Stiftungszweck zugute.

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KATHARINA NATALIE EITEL
27. April – 16. Juni 2026
Kunstmuseum Marburg

Katharina Natalie Eitel war in den über vierzig Jahren ihrer künstlerischen Tätigkeit mit vielbeachteten und großflächigen Papierinstallationen der Werkreihe „zeithaut“ in Museen, einer Kirche und anderen Ausstellungsorten an die Öffentlichkeit getreten, nur selten aber hatte sie einzelne Werke der Malerei oder Zeichnungen, ihre Objekte und experimentelle Papierkunst ausgestellt. Die Sichtung ihres Nachlasses brachte eine schier unerschöpfliche Fülle an Werken ans Licht, von der ab 27. April die Präsentation im Museum zeugt.

Zu sehen sein werden eine Auswahl ihrer in London entstandenen Kostüme, großformatige Skizzenbücher, handgeschöpfte Papiere mit Zeichnungen und Malereien, Papierkunstwerke, Bilder in Marmoriertechnik, Fotografien und Ergebnisse der künstlerischen Beschäftigung mit zentralen Themen wie Dialog, Gefäß, Landschaft, Vergangenheit und Körper.

Als Beispiel für die Rauminstallationen wird das „Sternenzelt“ aus vielen handgeschöpften Papieren mit unterschiedlichen, farbig marmorierten Sternen für die Ausstellung wieder errichtet, das Katharina N. Eitel unter dem Titel „1001 Sterne für Jerusalem – der Himmel über Jerusalem ist unteilbar“ 1996 in Marburg zeigte und 2002 in anderer Form im Klingspor Museum Offenbach/Main präsentierte.

An einem Video-Terminal werden Videos von 8 Rauminstallationen zu sehen sein, darunter auch „Dialog mit Else Lasker-Schüler“ von 1995 im mak in Frankfurt am Main.

Zur Ausstellung erscheint eine über 240 Seiten starke Publikation im Sandstein Kultur Verlag, deren buchbinderische Verarbeitung und Materialwahl der Liebe der Künstlerin zum Papier Respekt zollt. Ein kleiner Teil der Auflage wird durch die Beigabe von Originalwerken den Charakter einer Edition erhalten.

Während der Laufzeit der Ausstellung wird es einen Workshop geben, in dem die Mitglieder des Papierwerks Glockenbach/München die Kunst des Papierschöpfens unterrichten.

Der künstlerische Nachlass von Katharina N. Eitel befindet sich im Eigentum der von ihr ins Leben gerufenen gemeinnützigen und wohltätigen Stiftung HOFFNUNG13, die seit 2017 über 18 große internationale Projekte mitfinanzierte, in denen Kindern und Jugendlichen in Kriegs- und Krisengebieten musische Angebote zur Überwindung ihrer Traumata angeboten werden.

Stimmen über Katharina Natalie Eitel

„Die große Experimentierfreude Katharina Natalie Eitels hält für das Publikum manche Überraschung bereit. Bilder, Wörter und Zeichen auf Papier und aus Papier charakterisieren das Werk einer hochgradig sensiblen Künstlerpersönlichkeit, das neben einem Feuerwerk an Farben die Konzentration auf grundlegende Formen und reduzierte Farbakzente kennt.“

Dr. Christoph Otterbeck, Direktor, Kunstmuseum Marburg

„Im Laufe ihres künstlerischen Lebens hat KNE eine sehr besondere Expertise im Umgang mit Papier entwickelt. Ihr Gefühl für das Material in Verbindung mit ihrer Fähigkeit, aus der Tiefe ihrer inneren Vorstellungskraft vielschichtige Wahrnehmungen zu ermöglichen, hat sie in der Arbeit ‚Zeithaut‘ über einen längeren Zeitraum in verschiedenen Etappen umgesetzt.“

Dr. Sabine Runde, Oberkustodin, mak Frankfurt/M.

„Eine Künstlerin, die – darin ist sie Else Lasker Schüler strukturell vergleichbar – das Wort, die auszumalenden Worte, als Ausgangspunkt ihres schöpferischen Umgangs mit Papier (vorwiegend ohne Worte) braucht und bewegt… Sie empfindet und bildet einen Spielraum zwischen dem Hinten und Vorne eines Papiers; und der lebt von Wortbildungen. Und die ‚reliefieren‘ das, was das Papier sprachlos zu vermitteln hat… Ihre Papiere sind wie Ausweisdokumente dieser ihrer humanen, allerdings entwaffnend unpathetischen Gesinnung. Kunst war ihr Handwerk, das ihr ganzes Leben durchzog, ein umfassendes Miteinander-Sprechen in einer komplexeren Matrix als jener, die allein Begrifflichkeiten vertraut. Schreiben mit, in und auf Papier ihr Medium.“

Dr. Stefan Soltek, Direktor Klingspor Museum Offenbach/M.